Aestuarien

93-94-Aestuarien-Wunderkammer
Abb. Aestuarien, 1993, Wunderkammer-Schrank, Gartenmodelle, Fotos, u.a.
ÄSTUARIEN


“Ästuarien”, Thomas Rehbein Galerie, Köln, 1994
“Follies”, Galerie Lumen Travo, Amsterdam, 1994
“Metier & Medium”, Kunstbunker, München, 1994

“…den Begriff “Ästuar” habe ich gewählt, weil er etwas über meine Methode aussagt. Ein “Ästuar” ist eine Flußmündung, die ein Übergangsgebiet zwischen Süß-und Salzwasser formt. In diesem Brackwasser können nur spezialisierte Organismen mit einem hohen Anpassungsvermögen überleben. Das Phänomen des Übergangs fasziniert mich. In meiner Arbeit geht es auch ständig um verschiedene Arten von Ubergängen: von einer Skizze zum Modell, vom Gebauten zur Malerei, dann zum inszenierten Foto verschiedener Modell-Konstellationen, wieder zurück zur Zeichnung, zum Aquarell, zur Installation im Raum. Aber es gibt natürlich auch Bedeutungsübergänge, die eine Gratwanderung zwischen Chaos und Ordnung implizieren. An dieser Schnittstelle entsteht eben jene Schönheit, von der ich vorher sprach. Nicht der große Entwurf also zählt, sondern die Beschreibung verschiedener Wahrnehmungsebenen, die wiederum Distanzübergänge beinhalten.

Auch bin ich beispielsweise ausserordentlich an marginalen Erscheinungsformen der sogenannten “Hochkunst” interessiert: an Wachsfigurenkabinetten, Krippenkunst, Gallionsfiguren, Wunderkammern, aber auch an Comics und Fantasy. All diese Erscheinungen münden in meine Modelle in transformierter Gestalt. Vielleicht kann man einen Vergleich ziehen zu dem Maler Gainsborough, der Steine, Äste und Glasscherben in seinem Atelier als Ersatz für die freie Natur anordnete. Auch ich baue Naturmodelle, um sie wunderkammerartig in Schränken zu zeigen. Während ein Mangel an analytischen Vorgaben dafür sorgte, daß in der prämodernen Wunderkammer die verschiedensten Bedeutungsebenen (Fossilien, Skulpturen, Reliquien, ausgestopfte Tiere und Bilder) zusammenflossen, erlaubt mir der heutige Überfluß an solchen Vorgaben, Dinge zusammenzubringen, die so noch nicht zusammengesehen worden sind. Sammeln und Zuordnen interessiert mich ähnlich wie Anna Oppermann oder Mark Dion…”

Ausschnitt aus einem Interview mit Oscar van den Boogaard, METROPOLIS M, Zeitschrift für zeitgenössische Kunst, Holland, 6/94

Das Planarchiv - Der Zugang, 1994, 35 x 30 cm, Aquarell auf Papier
Das Planarchiv - Die Requisiten, 1994, 35 x 30 cm, Aquarell auf Papier