Die Dritte Kammer - Der aechte Blumist

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Abb Die Dritte Kammer - Der Aechte Blumist, je: 59 x 42 cm, Öl auf Holz, 1997

Brigitte Franzen

“DIE VIERTE NATUR – Gärten in der zeitgenössischen Kunst”
Kunstwissenschaftliche Bibliothek, Band 11,
Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln, 2000

DER GARTEN ALS ORT KUNST-POLITISCHER UTOPIE

“Im Sinne einer künstlerischen Utopie wird der Garten von Caroline Bittermann und Peter Duka aufgefaßt, die von ihrem Interesse für Malerei aus, sich einem heutigen Zugang zum Pittoresken und dessen Verankerung im Garten und in der Landschaft schaffen. Aus diesem Antrieb setzen sie sich intensiv mit Gartengeschichte auseinander und äußern sich auch theoretisch. Als eine Art “think tank” dient ihnen dabei die selbst geschaffene Vorstellungswelt der “Dritten Kammer”; wie sie selbst sagen, “ein Terrain, das wir ‘Garten’ nennen”. Als ihr Ziel formulieren sie ursprünglich, “an dem historischen Punkt anzuknüpfen, als Malerei die Landschaftsgestaltung beeinflußte, und der Gartenbau zu neuen malerischen Motiven führte”. Mittlerweile sind sie über die Malerei aber auch zu tatsächlicher gärtnerischer Arbeit gekommen, wie ihr Projekt “Das begehbare Bild” für die “Künstlergärten Weimar” zeigt.

Gemäß der Prämisse des “Weltmodells” Garten, beherbergt die “Dritte Kammer” eine Art Gartenkosmos, bestehend aus vier Gärtnern, die man auch als Variationen ein und desselben Typs begreifen kann. Diese “Blumisten” stehen für vier verschiedene Funktionen des Gärtnerischen und des Gärtners. Sie verkörpern den Architektentyp, der als Theoretiker, Planer und Heterotopist agiert, ferner den Künstlertyp, der als Historiker, Futurist und Visionär charakterisiert wird, den Gärtnertyp, der Handwerker, Ökologe und Pragmatiker ist und den Kurator, der den Manager, den Politiker und den Demagogen personifiziert. Den vier Gärtnern sind vier verschiedene Subterrains innerhalb der “Dritten Kammer” zugeordnet. Der Architekt führt das Basislager mit Belt, Gartenbibliothek und Glashäusern. Der Künstler betreut die “Herzzelle”. Er unternimmt Pflanzungen, unterhält ein unterirdisches Labor und plastische Ateliers. Die Gärtnerei mit Gewässeranlagen, Zuchtbassins und Kompostmieten ist dem Gärtner zugeordnet. Der Kurator leitet ein Gartenmuseum. Ihm sind außerdem die Folies, das pomologische Cabinet und das geomantische Büro unterstellt. Die Einheit dieser vier virtuellen Gärtner-Typen mit ihren unterschiedlichen Facetten bildet die Figur des “aechten Blumisten”. Bittermann und Duka legen in der “Dritten Kammer” eine virtuellle Identität eines Gärtnerischen Prinzips in der zeitgenössischen Kunst an. Die Malerei dient dabei zur Visualisierung des Prinzips ebenso, wie sie ein Entwicklungsmodell darstellt, das immer wieder neu gefüllt wird und folgerichtig als Austragungsort der heutigen Suche nach dem Pittoresken herhalten muß. In diesem Sinne betreiben Bittermann & Duka eine andere Form des virtuellen Gärtnerns, das sich als ästhetische Utopie begreift.”