New Wage

New Wage, 1987-88, Photo-Collage fuer Modeschau-Performance
Abb. New Wage, 1987, Photo-Collage, Modeschau-Performance, Artothek, Köln

NEW WAGE

NEUE ZEIT. NEUE KRIEGE. ENDE DER SINNPAUSE. DER ZENIT AUF ERDEN.

Eine Modeschau-Performance, mit Trixi Groiss,
(mit 17 “Modellen”), Musik: Frank Schulte,
Länge: ca. 30 Min.

Artothek, Köln, 1987
Kunstpalast Ehrenhof, Düsseldorf, 1988

“New Wage”, eine Modeschau-Performance, ist zunächst der Versuch, den Modebegriff zu entgrenzen und ihn so dem Kunstbegriff gleichzusetzen, und es geht im Besonderen darum, das Medium Zeichnung in die dritte bzw. vierte Dimension zu übertragen. Daher arbeiten wir mit Symbolen, aber auch mit dem utopischen Gedanken. Der atomare Erstschlag als allgegenwärtige Bedrohung ist zentrales Thema von „New Wage“. Zudem geht es um den Menschen. Ganz wichtig: Er ist nicht mehr Staffage postmoderner Stil-Akrobatik und Opfer willkürlicher Subjektivität, sondern zentrales Subjekt. WEITER heißt, alle nur möglichen Mittel in Anspruch zu nehmen, um streng und schön auf das SELBST zu verweisen. Dabei überschreiten wir mediale Grenzen, strapazieren Geschmacksnerven, bieten explosive Traum-Lösungen und beschwören so das Ende der Sinnpause.

Nichts Geringeres als der Aufstieg und Untergang der Menschheit, wenn nicht gar der Welt, wird auf den “Laufsteg” geschickt. Unter der Patronage dreier blumenbekränzter Engel, die ungerührt das dramatische Geschehen betrachten, spielt sich das “Mysterienspiel” auf einem mit geometrischen Zeichen bedeckten Tuch ab: Zwei elegant und kostbar gewandete Gestalten, eine weibliche und eine männliche, posieren auf je einem Erdball, den sie sich untertan gemacht haben. Begleitet von Schwarzlicht, Neon und -Stroboskop-Effekten, umgeben von lodernden Feuerkreisen und metallenen “Wassergräben” entfachen diese beiden königlichen Gestalten durch ihr eitles Gehabe einen Weltenbrand, in den eine Gruppe von Kriegern in Kampfanzügen und mit Schilden bewehrt, eingreift. Untermalt von dramatischer elektronischer Musik (aus Frank Schultes Studio “Fairmission”- Ein Projekt für Neue Musik, das ausgekoppelt wurde aus Frank Köllges “Adam Noildt Intermission Orchestra”, der damit diesen Juni die Dokumenta in Kassel eröffnet hat), endet alles in einem akustisch simulierten Atomschlag. Wo einst die Erde schwebte, bleibt ein schwarzes Loch in den Flammen. Vieldeutig wie der englische Titel „New Wage” – das kann heißen „neuer Krieg“, aber auch „neuer Lohn“ – soll auch das Ende bleiben. Die Engel nehmen ihre Flügel ab, öffnen einen Reißverschluss und werfen Rosenblüten. Die Blumen leuchten im Schwarzlicht wie blutende Wunden und der Gesang der Vögel erstirbt immer wieder im elektronischen Schwirren. Wenn schließlich die Engel ihre Kränze abnehmen und hinterherwerfen, dann bleibt unklar, ob sie entmachtet sind, oder ob sie sich nur angewidert abwenden.

New Wage, 1987, Poster fuer Modeschau-Performance